Zum Kauen wird der Unterkiefer aus der Ruheschwebelage von der hyoidalen Abduktorenmuskulatur zunächst nach kaudal bewegt. Durch einseitige Kontraktion der Protraktoren schwenkt der Unterkiefer zur Gegenseite und wird dann von der Adduktorenmuskulatur und den kontralateralen Retraktoren geschlossen und zur Mitte zurückgeführt. Dadurch wird die Nahrung zerkleinert.

Der Winkel der Schließbewegung wird dabei von der Neigung der Palatinalflächen der oberen Eckzähne bestimmt. Wir sprechen deshalb von der Eckzahnführung der Kaubewegung.

Das Abbeißen ist dem Kauen sehr ähnlich: Die Muskulatur ist beidseitig aktiv. Dadurch wird der Unterkiefer gleichmäßig nach kaudal und ventral geöffnet und nach kranial und dorsal wieder geschlossen. Die Schließbewegung erfolgt entlang der Palatinalflächen der oberen Frontzähne. Hier sprechen wir von der Frontzahnführung.

Kurz bevor die Unterkieferzähne bei der Schließbewegung die Oberkieferzähne berühren, beginnt eine neue Kaubewegung und der Unterkiefer wird wieder geöffnet. Beim Kauen kommt es also nicht zum okklusalen Kontakt zwischen Unterkiefer- und Oberkieferzähnen. Trotzdem wird durch den Widerstand der Nahrung die Kaukraft auf den Oberkiefer übertragen und in den Schädel eingeleitet. Lateral werden die Kräfte über die Maxilla auf das Zygoma, das Frontale und das Sphenoid weitergeleitet. Median werden die Kräfte durch den Vomer auf Sphenoid und Ethmoid übertragen. Indirekt werden auch Temporale, Parietale und Okziput von der Krafteinleitung betroffen.

Die praktischen Konsequenzen daraus ziehe ich in dem folgenden Videofilm: